Thomas Hertlein im Interview

Hallo Thomas, aus deiner Weinwirtschaft im Westend ist nun nach zwei Monaten Umbauzeit Jolandas Vinothek geworden. Warum?

Ich habe gemerkt, dass die meisten Gäste – glücklicherweise – wegen der Weine zu uns gekommen sind und oftmals jedoch keine Lust hatten, gleich ein ganzes Menü zum Wein zu essen. Genau darauf war die Weinwirtschaft aber ausgelegt. Mit Jolandas Vinothek machen wir Schluss mit Fine Dining und rücken stattdessen den Wein wieder absolut in den Vordergrund.

Aber satt wird man schon noch in Jolandas Vinothek?

Klar. Wer mag, kann sich wie früher durch Vorspeise, Hauptgericht und Dessert essen und beliebig viele Zwischengänge einbauen. Einige Gerichte bieten wir in kleinen und großen Portionen an. Aber das Menü ist wie früher eben kein Muss mehr.

Hat sich eure Küche mit Jolandas Vinothek verändert?

Wir bieten in Zukunft vor allem mehr Gemüsegerichte an, weil die Gäste das immer stärker nachfragen. Ansonsten kochen wir, was der Markt gerade so hergibt. Beliebte Klassiker wie unser Rindertatar stehen immer noch auf unserer Speisekarte. Wirklich neu ist unser Mittagstisch. Auch hier gibt’s vor allem Gemüsiges.

Und welche Weine erwarten die Gäste in Jolandas Vinothek?

In den letzten Jahren hat sich meine Einstellung zum Thema Wein ja noch einmal ziemlich verändert. Das spiegeln auch unsere Weinkarten wieder. Man kann für guten Wein richtig viel Geld ausgeben. Man muss es aber nicht, um dennoch Spaß zu haben und gute Sachen zu trinken. Früher bin ich eine Zeitlang nur noch berühmten Weinen hinterhergejagt. Die hatten meist viele Punkte bei den wichtigen Weinbewertern und waren entsprechend teuer. Irgendwann hatte ich jedoch das Gefühl, dass ich immer das Gleiche trinke. Ich glaube, dass ist ein bisschen so, als würde man jeden Tag in einem Sternerestaurant essen. Das funktioniert auf Dauer nicht. Ich habe damals bewusst angefangen, wieder ganz andere, auch einfachere Sachen zu trinken, und mich nicht mehr nur von Bewertungen treiben zu lassen. Weintrinken sollte in meinen Augen nichts Elitäres sein.

Du sprachst von mehreren Weinkarten in Jolandas Vinothek. Wie unterscheiden sich diese?

Wir haben zum einen eine Karte mit sehr vielen offenen und bezahlbaren Weinen für jedermann. Wir bieten über 30 Weine offen an, so dass unsere Gäste an einem Abend richtig viel probieren können. Das geht los bei 5 Euro fürs Glas. Man findet auf dieser Karte aber auch schon den einen oder anderen großen Wein offen. Da kann das Glas durchaus 20 Euro kosten. Das ist viel Geld, aber ich möchte, dass die Gäste bei uns die Möglichkeit haben, auch mal einen Wein zu probieren, von dem sie vielleicht schonmal gehört haben und auf den sie neugierig sind, ohne dass sie gleich über 100 Euro für eine ganze Flasche ausgeben müssen. Unsere zweite Weinkarte richtet sich an Weinkenner und -experten mit einem entsprechenden Preisniveau. Und wem diese Karte immer noch nicht reicht, der fragt einfach bei mir, was es sonst noch alles im Keller gibt. Wir haben das Angebot bei den Weinen bewusst auseinanderdividiert, um die Leute in Jolandas Vinothek nicht gleich am Anfang mit Weinen zu verschrecken, die ein paar hundert Euro kosten. Wer Lust auf eine Weinschorle hat, ist uns genauso willkommen wie der Latour-Trinker. Und wir machen übrigens eine wirklich gute Weinschorle.

Wer dein früheres Lokal, die Blaue Donau kennt, wird in Jolandas Vinothek das eine oder andere Deko-Objekt wiedererkennen…

Das ist richtig. Im Grunde genommen gehen wir mit Jolandas Vinothek auch wieder mehr zurück zu den Wurzeln. Guter Wein, gutes Essen, gute Musik in einem gemütlichen Wohnzimmer. Also jedenfalls das, was ich mir unter einem gemütlichen Wohnzimmer vorstelle, mit Kronleuchtern, riesigen Bildern an der Wand und mit Buddha- und König-Ludwig-Büsten im Regal. Wir haben jetzt nach dem Umbau endlich auch wieder den Schall im Griff, so dass sich die Leute am Tisch wieder in Ruhe unterhalten können… Wenn man so will, ist Jolandas Vinothek hinsichtlich der Atmosphäre und des Angebots eine modernere Variante der Blauen Donau. Hoffentlich gefällt es den Leuten.